Zum Tod von Edeltraud Dömming

Edeltraud Dömming, unsere Traudl, starb am 7. März 2020 im Alter von 78 Jahren. Selbst Alkoholikerin startete ihr Weg aus der Sucht mit einem schonungslos offenen Brief in der Mannheimer Lokalzeitung, dem Mannheimer Morgen, in dem sie das Versagen eines damals wenig etablierten Hilfesystems anprangerte, ihre Ohnmacht, aus der Sucht herauszukommen, darlegte und beschrieb, dass selbst ihr Arzt einfach nur sagte, das sei doch alles nicht so schlimm.

Es folgten eine Langzeittherapie mit dem anschließenden Aufsuchen der Selbsthilfegruppe Freundeskreis Mannheim „Die Lotsen“ e.V. und zusammen mit ihrem Mann Fritz daraus erwachsend ein beispielloses Engagement, anderen suchtkranken Menschen und deren Angehörigen zu helfen.

Traudl hat Menschen durch die Selbsthilfegruppenarbeit in die Abstinenz geführt und das oft ganz ohne Therapie. Sie engagierte sich für die Gruppenarbeit, wurde selbst Multiplikatorin und bildete Gruppenleiter aus. Seit 1976 war Traudl im Vorstand „Der Lotsen“, langjährig Vorsitzende und hat auch nach dem Ausscheiden aus dem Vorstand, so lang sie das konnte, unsere Gruppe in der Öffentlichkeit repräsentiert und für sie gesprochen. Ihr Engagement ging darüber hinaus in die Politik; sie machte „Die Lotsen“ in der Region Mannheim bekannt, kämpfte für uns erfolgreich um Geldmittel und ging auch auf die Landesebene, hat die Landesarbeitsgemeinschaft Baden, den heutigen Landesverband der Freundeskreise in Baden, mit aus der Taufe gehoben.

Wir wissen nicht, wie man einem Menschen wie Traudl wirklich danken kann. Edeltraud Dömming ist Ehrenvorsitzende „Der Lotsen“, Ehrenvorsitzende des Landesverbandes, Trägerin des Goldenen Kronenkreuzes der Diakonie und des Bundverdienstkreuzes; vielleicht zeigen diese Ehrungen, welch großartiger Mensch gegangen ist.

Nein, Traudl war nicht perfekt, wie kein Mensch perfekt ist. Sie hatte ihre Schrullen, etwa wie im Gruppenraum immer einen bestimmten Platz zu beanspruchen, was sonst niemand tut, und hat sich gleichzeitig beklagt, mental von den anderen als Gruppenleiterin auf einen Sockel gestellt zu werden. Wie wahrscheinlich es bei uns allen ist, konnte die Helferin ihre eigenen guten Ideen für sich selbst nicht immer umsetzen. Aber ich schreibe diesen Nachruf und kann das tun, weil Traudl der Mensch war, der mir die richtigen Fragen mit der richtigen Anleitung gab, meine Probleme, die mich trinken ließen, in den Griff zu bekommen und wie mir hat Traudl vielen anderen Menschen geholfen.

Wir trauern um eine der großartigsten Helferinnen für suchtkranke Menschen, die es je gab, wir trauern um eine unserer besten Freundinnen. Wir wünschen Dir nun Ruhe und Frieden Traudl und danken Dir, dass wir Deine Freundinnen und Freunde sein durften.

Freundeskreis Mannheim „Die Lotsen“ e.V.

Heiko Küffen
1. Vorsitzender